Ausstellung »brenne und sei dankbar«

— für Theater- und Tanzschaffende und ihr Publikum
Konzept und Realisierung: TESTSET – Gesche Piening und Ralph Drechsel, München.

Die Wanderausstellung »brenne und sei dankbar« beleuchtet interessante Einzelaspekte der kulturpolitischen und finanziellen Grundsituation sowie der Arbeits- und Lebensbedingungen von Freien Theater- und Tanzschaffenden in Deutschland.

Erste Station der Wanderausstellung ist die Akademie der Künste, Berlin, Pariser Platz 4 – Passage zur Behrenstraße, von 13. Juni bis 30. September 2012, geöffnet Montag bis Sonntag von 10 bis 22 Uhr.

Weitere Termine / Tourplan 2013

Zur Eröffnung sprachen:
Nele Hertling, Vizepräsidentin der Akademie der Künste;
Dr. Hans-Georg Küppers
, Kulturreferent der Landeshauptstadt München und Vorsitzender des Kulturausschusses des Deutschen Städtetages;
Hans Heinrich Bethge,
Leitender Senatsdirektor der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg;
Gitta Connemann
, MdB, 2003–2007 Vorsitzende der Enquete-Kommission »Kultur in Deutschland«.
Grußworte: Norbert Radermacher (Fonds Darstellende Künste), Alexander Opitz (Bundesverband Freier Theater)

Die Ausstellung wurde gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, den ver.di-Bundesvorstand – Fachgruppe Theater und Bühnen und den Fonds Darstellende Künste.
Mit freundlicher Unterstützung durch die Akademie der Künste, Berlin und den Bundesverband Freier Theater (BuFT).

Förderer Ausstellung brenne und sei dankbar

Die Ausstellung wird nach der Premiere in der Akademie der Künste, Berlin, in weiteren Bundesländern an Freien Theaterhäusern und in Ausbildungsstätten gezeigt und kann von Veranstaltern kostenlos entliehen werden.

Technische Angaben:
12 Motive im Format DIN A1 (594 x 840 mm),
Digitaldruck auf 3 mm starke Aluminium-Verbundplatte
mit Polyester-Lack geschützt, aufhängefertig konfiguriert.

Deutschlands Theater- und Tanzlandschaft ist berühmt. Im internationalen Vergleich fällt
sie besonders durch ihre große Zahl, ihre Vielfalt, ihre hohe Qualität und ihren
Publikumserfolg auf. Dies verdankt sie auch der großen Bedeutung, die die Darstellenden
Künste in Deutschland allgemein genießen – als künstlerische Ausdrucksform und als
gesellschaftliche Stimme.

Neben den öffentlich geförderten Staats-, Stadt- und Landestheatern gibt es in Deutschland auch eine professionelle Freie Theater- und Tanzszene. In den späten 1960ern verstand sie sich als explizit Politisches Theater und betonte ihre Unabhängigkeit von den traditionsreichen Staats-, Stadt- und Landestheatern. Strukturell entwickelte sie ganz neue Organisations und Produktionsweisen. Ästhetisch erfand die freie Theater- und Tanzszene mit großer Experimentierfreude und avantgardistischer Freiheit völlig neue Formen und wagte sich an große gesellschaftlich relevante Themen. Sie spielte ihre Produktionen an ungewöhnlichen, theaterfernen Orten, schloss sich mit anderen Künsten zusammen und präsentierte sich international. Auf diese Weise konnte sich die Freie Theater- und Tanzszene in Deutschland nach und nach etablieren. Bis heute wächst sie stetig.

Viele Innovationen und Errungenschaften, die die Freie Theater- und Tanzszene
hervorgebracht hat, beeinflussen heute die Arbeit an Staats-, Stadt- und Landestheatern
sowie an den Hochschulen der Darstellenden Künste. Mittlerweile bestehen zahlreiche
Kooperationsformen beider Systeme.

Die Freie Theater- und Tanzszene besteht aus unabhängigen, professionellen
Einzelkünstler/innen und Künstlergruppen. Diese produzieren künstlerisch und finanziell
eigenverantwortlich. Auch für sie gibt es verschiedene Möglichkeiten der öffentlichen
Unterstützung, wenn auch auf einem deutlich niedrigeren finanziellen Niveau als für Staats-, Stadt- und Landestheater. Die angespannte finanzielle Lage in Ländern und Kommunen bedroht jedoch diese Vielfalt.

Auch in der Kulturnation Deutschland herrschen die marktwirtschaftlichen Prinzipien mehr
und mehr über die kulturellen Aktivitäten. Ziel ist es, mit immer weniger Geld
Leistungsfähigkeit und Effizienz zu steigern. – Für Kunst- und Kulturschaffende sind die
Folgen fatal. Die kontinuierliche Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen für
Künstlerinnen und Künstler ist beispielhaft für die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte und
die Entwicklung in anderen Bereichen unserer Gesellschaft – der Kunst kommt hier eine
fragwürdige Vorreiterrolle zu.

Um die derzeitige wirtschaftliche, soziale und arbeitsrechtliche Lage der Freien Theater und Tanzschaffenden in Deutschland in seiner ganzen Komplexität zu dokumentieren, hat
der Fonds Darstellende Künste Ende 2010 den »Report Darstellende Künste« publiziert
(Herausgeber Günter Jeschonnek). Die Ergebnisse des »Report Darstellende Künste« sind Grundlage für die Ausstellung »brenne und sei dankbar«.

Mitwirkende:
Die Schauspielerin und Regisseurin Gesche Piening und der Kommunikationsdesigner Ralph Drechsel haben die Ausstellung »brenne und sei dankbar« entwickelt und realisiert. Sie ist ein Teil des Kunstprojektes TESTSET. TESTSET untersucht in unterschiedlichen Formaten das »Prinzip Theater« in grenzverletzenden Kulturproduktionen und -produkten, wobei das »Prinzip Theater« nicht zwangsläufig auf der Bühne zu suchen sein muss.

 

 

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